Vietnam 2005

Den Abschluss der Südostasienreise 2005 bildete mal wieder Vietnam. Neben Frankreich das Land, welches ich auf dieser Welt am meisten besucht habe. Insgesamt war ich jetzt sechs mal da und es gibt doch immer wieder Neues zu entdecken. Ausserdem ist der Essen einfach unglaublich gut und schon alleine fast die Reise wert. Hauptgrund war aber einfach ein paar Freunde wiederzusehen, die man im Laufe der Zeit dort drüben gewonnen hat. Außerdem war es sehr interesant zu sehen, wie sich das Land im Laufe der Zeit wandelt. Die Altstadt Hanois hat sich seit meinem letzten Besuch kaum verändert, allerdings kann man das vom Umland nicht sagen. Vietnam boomt. Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt fuhren wir vorbei an riesiegen Industriegebieten. Canon hat mittlerweile einen großen Teil seiner Druckerproduktion wohl hierhinverlegt. Für diese neuen Arbeitsplätze muss natürlich auch entsprechender Wohnraum geschaffen werden und so sah man an vielen Stellen neue moderne Wohngebiete entstehen, die teilweise mit pompösen Eingangstoren geschmückt waren, wogegen das Brandenburger Tor fast blass aussah. Auch die Anzahl der Pferdestatuen war wesentlich höher. Mittlerweile gibt es sogar einen Metro Markt. Allerdings ist die Zahl der Supermärkte zum Glück noch sehr niedrig, was auch für die Zahl der Fast Food Restaurants gilt. Auch hier zum Glück, wo die vietnamesische Küche doch auch so eine grosse Zahl sehr schneller und leckerer Gerichte bereit hält, welche sogar noch viel gesünder sind.
Wie schon gesagt, hat sich in der Altstadt nicht viel geändert. Man wird immer noch von Postkartenverkäufern belagert oder alle drei Meter von Motorradfahrern oder Rikscha-Kutschern angesprochen, ob man nicht eine kleine Stadtrundfahrt machen wolle. "Khong, cam on" (Nein danke) wird da schnell zu den am meisten ausgesprochenen Wörtern. In eine andere Richtung schauen, wenn man solche Menschen rechtzeitig entdeckt hilft aber unter umständen auch, auch wenn es sehr beharrliche Leute gibt, die noch eine ganze Zeit lang pfiefen oder "Hey Sir" hinter die herrufen. Der neuste Trick am Hoan Kiem See war, dass man von Frauen die Obst verkaufen dieses zusammen mit nem Reishut aufgesetzt bekam und der Begleiter ein Foto machen sollte. Natürlich sollte man danach das Obst teuer kaufen. Da ich diesen Trick noch nicht kannte, ist das Foto nebenan entstanden. Obst haben wir aber doch nicht gekauft.

 

 

Da wir Hanoi wie gesagt schon kannten, gings am zweiten Tag dann auf die Insel. Reif dafür waren wir ja nach zwei Wochen Bergen und umständlichem Transport. Mein Freund Tuan hatte vor drei Jahren das erste mal die Insel Quan Lan mit seiner Familie als ruhige und schöne Urlaubsmöglichkeit entdeckt und die wollte er uns nun zeigen. Zuerst einmal mussten wir mit dem Bus nach Halong, wo wir eine Nacht verbrachten. Am abends gab es dann zum ersten mal auch Seafood, was zwar nicht atemberaubend aber trotzdem ok war. Am nächsten morgen ging es dann mit dem Boot in einer vierstündigen Fahrt durch eine der schönsten Landschaften Südostasiens, der Halong Bucht, auf die besagte Insel. Auf dem Weg dorthin konnte wir noch ein wahrhaft grossen Brückenbauprojekt bewundern, welches die beiden Teile der Stadt Halong inrgendwann verbinden soll und den umständlichen Fährbetrieb überflüssig macht.

Die Bootsfahrt selbst war sehr entspannt. Man konnte auf Deck liegen und die Landschaft geniessen und wieder den lieben Gott nen guten Mann sein lassen. Auch wenn die Insel in keinem Reisefüherer steht und somit touristisch fast unerschlossen ist, hatten noch ein Ire und seine italienische Freundin davon gehört und waren mit uns auf dem Boot. Noch im Hafen hatte beide ein recht unschönes Erlebnis mit einer Obstverkäuferin, die die beiden beschuldigte ihre Ware nicht ordnungsgemäß bezahlt zu haben. Irgendwann war sogar die restliche Bootsbesatzung gegen die Obstverkäuferin, die nun, da sie als Lügnerin dargestellt wurde, noch wütender war. So etwas habe ich und noch nicht mals mein Freund je erlebt, das ein Asiate so aufbrausend werden kann, da man mit einem solchen Verhalten sehr schnell sein Gesicht verliert und die versucht eigentlich jeder zu vermeiden. Allerdings wurde diese Frau richtig hysterisch und war kaum noch zu beruhigen. Da Eugene und Miranda das erste mal in Vietnam waren, hatte sie schon direkt einen schlechten Eindruck. Ich habe aber versucht zu erklären, dass die bei weitem nicht der Regelfall sei.

 

 

Die Insel Quan Lan war wirklich ein sehr ruhiger und idyllischer Ort und man war froh, dem ganzen Strassenlärm Hanois mit seinen Mopeds und Hupen entkommen zu sein. Ausserdem wurden wir vom Besitzer des Guesthouses wirklich königlich verköstigt. Zu jeder Mahlzeit gab es wirklich leckeres Seafood, wobei das exotischste wohl eine Eierspeise mit Seeigeleiern war. Schmeckte aber durchaus gut. Ansonsten gab es halt Garnelen, Fisch und Muscheln im Überfluss und ich hab mich jedes mal aufs Neue gefragt, wer das alles essen soll. Natürlich durfte auch der Strand nicht zu kurz kommen und so haben wir drei uns ein Motorad gemietet und sind an die Nordspitze der Insel gefahren und dort an einem sehr schönen Strand baden zu gehen. Natürlich waren wir weit und breit die einzigen Menschen dort. Wie gesagt gab es so gut wie keine Touristen und der Rest der Menschen waren Fischer, die auch besseres zu tun haben, als den Tag faul am Strand zu liegen. Nachdem wir dann das warme klare Wasser genossen hatten, fuhren wir noch ein wenig weiter zu einem kleinen Hafen, in dem sich die Fischer auf die nächtliche Ausfahrt vorbereiteten. Wir beobachteten sie dabei und genossen, wie die Sonne auf der gegenüberliegenden Insel hinter den Bergen verschwand. Die Rückfahrt war allerdings weniger angenehm. Zum einen hatte ich nach kurzer Zeit einen Platten und wir mussten in einem kleinen Dorf meinen Reifen reparieren lassen, zum anderen war es durch diese Zeitverzögerung schon so dunkel geworden, so dass Milliarden von Mücken herauskamen. Mit offenem Mund zu fahren war demnach gar nicht mehr angesagt aber auch die Augen wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Irgendwann blieb mir trotz Dunkelheit nix anderes mehr übrig, als mit Sonnenbrille zu fahren, da es anders nicht auszuhalten war. Allerdings ist das auch nicht die beste Lösung, wenn man eh schon kaum noch etwas sieht. Die Insel hatte nämlich keinen Strom und somit war es ausserhalb der "Hauptstadt", in der viele einen Generator hatten, stockdunkel. Irgendwann war diese Horrorfahrt aber auch geschafft und wir konnte uns dem leckeren Abendessen und ein paar frisch gezapften Bier widmen. In der Nacht wurde ich noch einmal gegen vier geweckt, als nebenan ganz offensichtlich ein Schwein geschlachtet wurde. Das Tier hat ne ganze Zeit geschrien wie am Spiess, bis es irgendwann nur noch gurgelnde Laute von sich gab. Ich denke, man hat ihm wohl die Kehle durchschnitten. Am nächsten Morgen verkauften die Frauen gegenüber unserer Unterkunft auf jeden Fall frisches Schweinefleisch und wir wurden auch gefragt, ob wir wieder Fisch wollten oder diesmal Schwein. Unsere Wahl blieb aber bei Fisch, wenn man den schon mal frisch bekommen kann. Nach dem Mittag ging es dann aber auch schon wieder Richtung Hanoi. Allerdings stand uns noch eine sehr unbequeme Busfahrt bevor. Da wir den letzten Bus nehmen mussten, wurde dieser vollgepackt bis nix mehr ging. Von den 30 Sitzen, die der Bus offiziell hatte, wurden auf jeden Fall schon mal alle belegt. Zusätzlich wurde er allerdings noch mal mit Sicherheit mit weiteren 15 Personen aufgefüllt, was die ganze Sache dann doch sehr ungemütlich machte. Vor allem für zwei Europäer, die nicht unbedingt asiatische Maße haben. An Anlehnen an den Sitz war daher nicht zu denken, da schlicht kein Platz war. Damit können drei Stunden ganz schön lang werden. In Hanoi haben wir uns am folgenden Tag dann noch einmal zum Essen mit anderen Freunden getroffen und sind dann auch schon nach Saigon geflogen, von wo aus wir dann die Heimreise nach Deutschland angetreten haben.

 

Bevor es aber soweit war, haben wir uns zum Abschluss der Reise noch mal so richtigen Luxus gegönnt und sind für unschlagbare 59 EUR im Majestic abgestiegen, dem wohl traditionsreichsten Hotels Vietnams. Hier wurde auch Graham Greene zu seinem Buch "The Quiet American" inspiriert. Dieses Hotel war schon wirklich Spitzenklasse. Vor allem bestach es durch seinen französischen Kolonialstil. Gerade in diesem Jahr konnte es seinen 80sten Geburtstag feiern. Wir waren nach unserer Reise zwar nicht die bestgekleidetsten Gäste, aber dennoch wurde uns jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Service wurde hier ganz groß geschrieben, wie man es von einem Hotel dieser Klasse erwartet. Auch wenn der ein oder andere jetzt denken mag: "Der denkt ja nur ans Essen" Das Frühstücksbuffet konnte sich sehen lassen und wir haben es auch so richtig ausgenutzt. Essen ist halt Genuss und mir unglaublich wichtig.