Es ist kurz von neun Uhr morgens am 15.11.2005. Vor nicht mal zehn Stunden hab ich das kalte Deutschland verlassen und jetzt laufe ich auf das Flughafengebäude in Windhoek zu. Nach vielen Jahren Asien hab ich mich auf Neuland gewagt und bin auf dem Weg mit einer Freundin Afrika, genauer gesagt Namibia, auf eigene Faust zu erkunden. Der Flug mit Air Namibia war schon mal klasse, da jeder, wirklich jeder Passagier seine eigene Reihe hatte und somit ausreichend Schlaf gesichert war, was aufgrund der fast gleich Zeitzone Namibias ganz praktisch war. Nachdem ich die Immigration passiert hatte, wobei ich einen kleinen Rüffel bekam, da ich mich in die Diplomatenschlange gestellt hatte, da die so schön leer war, begrüßte mich auch schon Eve, welche mit dem Fahrer der Autovermietung auf mich wartete. Eve war schon seit zweineinhalb Monaten in Namibia um ein Praktikum bei einem Tierarzt zu machen. Nachdem ich ein wenig Geld getauscht hatte, ging es dann zum Autovermieter Hubert Hester, welcher uns das bei weitem günstigste Angebot für einen Toyota 4x4 mit Dachzelt und kompletter Campingausrüstung gemacht hatte.

Nach kurzer Einweisung ins Auto konnten wir auch schon sofort los. Zuerst wurden die Vorräte im Supermarkt aufgefüllt, wobei wir darau achteten, schon genug Wasser zu kaufen und viele Lebensmittel, die nicht verderben, so dass wir für den Fall einer Panne in der Einöde eine Zeit überstehen konnten. Nachdem Kühlbox und Kofferraum voll waren, ging es dann endlich los. Wir konnten es beide schon kaum noch erwarten. Unser erstes Ziel lag südwestlich von Windhoek und war der Namib Naukluft Park oder besser gesagt Sossuvlei. Nicht all zu weit von Windhoek hörte dann auch irgendwann die Asphaltstrasse auf und es ging auf Schotterpisten weiter, die uns auch in den nächsten drei Wochen begleiteten.Im Gegesatz zu einer Schotterstrasse hier, lassen die Pads dort aber durchaus Geschindigkeiten von 100 km/h zu
Mittlerweile war es schon nach mittag und wir wollten auf jeden Fall vor Einbruch der Dunkelheit dort sein, was wir auch schafften. Zwischendurch war aber schon der ein oder andere Fotostopp drin. Pünktlich kurz von Sonnenuntergang waren wir dann in Sesriem auf dem einzigen Campingplatz. Das spiegelte sich auch sofort im Preis nieder, der wirklich gesalzen war, zumal wir mitten auf einer Sandfläche unterkamen, da wir natürlich nicht reserviert hatten und schon alles belegt war. Das hinderte den Betreiber jedoch nicht, den vollen Preis von umgerechnet 30 EUR pro Person einzukassieren.

Da wir aber müde waren und keine Lust hatten uns an die Strasse zu stellen, nahmen wir den Platz, bauten zum ersten mal das Zelt auf und kochten unser erstes Abendessen in Namibia. Es war gleichzeitig Eves Geburtstagsessen, da sie an diesem Tag Geburtstag hatte. Nachdem die Sonne untergegangen war, schlichen die Schakale um das Auto auf der Suche nach Essbarem. Zugleich konnten wir einen wirklich atemberaubenden Mondaufgang in der Wüste mitzuerleben, da auch noch Vollmond war. Die Nacht war jedoch sehr kurz und auch recht kühl. Ich war zumindest froh einen Sommerschlafsack mitgenommen zu haben. In Asien war meist ein einfache Laken zu viel des Guten, da es nachts kaum abkühlt. Hier jedoch wurde es durchaus angenehm kalt. Am nächsten Morgen um fünf war dann Aufstehen angesagt, da wir zum Sonnenaufgang in der Sossuvlei sein wollten, welche noch ca. 60 km entfernt war. Mit uns war auch der gesamte Campingplatz im Aufbruch und vor dem Tor zum Eingang in den Park hatte sich bereits eine Schlange gebildet. Nach ungefähr 45 Minuten waren wir dann am Ziel, machten jedoch den Fehler den anderen Autos hinterher zu fahren und landeten an Düne 45, wo alle wie die Ameisen die Düne hochkletterten. Das war nicht unbedingt das was wir wollten und so machten wir eher missmutig ein paar Bilder, um dann weiter Richtung Sossuvlei zu fahren, wo wir dann schon mehr unter uns waren und die Landschaft so viel besser geniessen konnten. Als dann aber der Tross nach einer Weile hinterherkam, machten wir uns auch wieder aus dem Staub. Die Sonne war mittlerweile eh schon sehr hoch, so dass die beste Zeit vorbei war. Außerdem war es Zeit für Frühstück und so suchten wir uns ein schönes Plätzchen und stillten erst mal den Hunger in der Nachbarschaft von ein paar umherziehenden Straussen und Oryx Antilopen. Besser hätte der Start in Afrika gar nicht sein können. Anschliessend ging es dann wieder Richtung Norden nach Walvis Bay und Swakopmund. Hier mussten wir feststellen, dass es in Afrika am Rande der Wüste auch tagsüber bei strahlendem Sonnenschein sehr kalt sein kann. In Walvis Bay mochten wir kaum in T Shirt und kurzer Hose an den Starnd gehen, da es so kalt war. Grund dafür ist ein kalter Meeresstrom, der selbst im dortigen Hochsommer nicht gerade ein Badevergnügen verspricht. In Swakopmund fanden wir mit Sofia Dale einen sehr schönen, ruhigen und vor allem schon wieder viel billigeren Campingplatz. Geleitet wird er von einer Deutschen und ihrem Sohn, welche einen wirklich liebevoll gepflegten Platz unterhalten. Swakopmund selbst ein ein schmuckes Städtchen, in dem fast auschliesslich deutsch gesprochen wird. Zuerst ist das doch ein wenig ungewohnt, aber nach einer Zeit geöhnt man sich daran. Für zwei Tage erkundeten wir das Städtchen und die Umgebung mit der Mondlandschaft, bevor es weiter in den Norden in den Skeleton Nationalpark weiterging. Auf dem Weg dorthin, statteten wir der Seehund Kolonie am Cape Cross einen Besuch ab. Tausende und abertausende seehunde dicht an dicht und brüllend, was das Zeug hält. Außerdem der Gestank der Exkremente und toter Seehundbabys, die überall herumlagen. Alles in allem aber ein höchst interessantes Schauspiel vor allem durch die überall verstreut trohnenden Bullen.

Da die Übernachtung im Skeleton Coast Park nur mit Reservierung möglich ist und wir über die gesamte Dauer keine Reservierungen machen wollten, da man so viel ungebundener ist, musste wir vorher jedoch noch einmal übernachten. Der Ort hiess Meile 108 und es war wirklich ein Platz im nirgendwo. Naja, eigentlich war es nicht mehr als ein Haus. Zugleich war es wohl unsere kälteste Nacht, da wir direkt am Strand übernachteten. Nachdem wir uns etwas auf dem Gaskocher zusammengebrutzelt hatten, wurden wir aber mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt. Am nächsten Tag ging es dann in den eigentlichen Skeloton Coast Park. Nachdem wir das Tor mit den großen Totenköpfen passiert hatten, erwartete uns über Stunden eine nicht sehr lebensfreundliche, aber durchaus reizvolle Landschaft
Bis Torra Bay gab es leider nur ein einziges Wrack, welches auch nur aus Holz war und nicht zu vergleichen mit Wracks wie der Eduard Bohlen, die südlich von Walvis Bay am Strand liegt. Kurz vor Torra Bay bogen wir dann rechts ab ins Landesinner und verliessen am Sprinbok Gate den Skeleton Coast Park. Kurz hinter dem Tor hatten wir dann unsere erste begegnung mit Zebras, welche wir aber im Laufe unserer Reise noch genug zu sehen bekommen sollten. Gleichzeitig wurde es auch mit jedem Kilometer, den wir uns von der Küste entfernten wärmer. Die Zeit der kalten Nächte war nun vorbei. Wir hatten uns vorgenommen noch bis Purros zu kommen. Purros ist ein Dorf mittem im Kokoveld.

Wir hatten gehört, dass es dort Elefanten geben soll und daher hatten wir es in unsere Reiseroute aufgenommen. Außerdem wollte ich einen Himba Gral besuchen. Aus diesem Grund hatten wir uns schon extra mit Lebensmitteln versorgt, die wir den Himba als Gegenleistung für unseren Besuch und eventuelle Fotos geben wollten. . Gegen drei Uhr nachmittags kamen wir dann in Sesfontein an, der letzten Möglichkeit noch mal den Tank zu füllen. Unser Wagen besaß zwar einen Zusatztank und kam somit auf gute 140l Tankvolumen, aber im Kaokoveld kann man auch durchaus schon mal den ein oder anderen Kilometer zurücklegen und für den Fall, dass mal der 4x4 nötig wird, den wir durchaus zwei mal eingeschaltet haben, steigt der Spritverbrauch noch einmal bei gleichzeitiger rapider Herabsetzung der Reisegeschwindigkeit. Zur Sicherheit hatte ich mir noch eine Conti Map mit GPS daten des Kaokoveld gekauft und hatte auch meinen Garmin GPS Empfänger dabei. Die Karte hat sich auf jeden Fall bezahlt gemacht, da auch kleinere Wege hier verzeichnet waren. Kurz hinter Sesfontein ging die Schotterstraße dann in Sandpisten über, was dem Fahrspaß jedoch keinen Abbruch tat. Ganz im Gegenteil ging es leicht schwimmend vorbei an Straußenherden, Giraffen und jeder Menge Antilopen durch goldgelbe Graslandschaften in Richtung Purros. Da die Sonne kurz vor Purros begann unterzugehen, war das Fahrvergnügen nicht mehr so groß, da man kaum noch sehen konnte, wo man langfuhr und der Weg auch nicht der beste war. In Purros angekommen, suchten wir uns den Zeltplatz, der etwas außerhalb des Ortes lag. Zum Glück erwischten wir gerade noch jemand, der uns aufnahm. Bis auf ein weiteres Auto, war hier nichts los. Der gute Mann, der uns unseren Platz zeigte, wies noch einmla darauf hin, dass die Elefanten durchaus mitten durchs Camp laufen und wir daher nichts an Essbarem druaßen lassen sollten, wo die Elefanten es sehen oder riechen konnten. Eve war das nicht so ganz geheuer und das ein oder andere Geräusch in der stockfinsteren Umgebung unseres Autos machte es nicht besser. Die Elefanten sollten aber nicht kommen...zumindest nicht in der Nacht. Für den nächsten Morgen hatten wir den Pförtner, oder wie immer man ihn auch nennen will, gefragt, ob er uns nicht ein wenig in der Gegend rumführen könnte, damit wir Elefanten und vielleicht einen Himba Gral besichtigen könnten. Gegen ein kleines Entgeld, war dies natürlich kein Problem. Nachdem wir am Morgen dann unsere Freiluft-Dusche (ein mit Holz eingezäunter Bereich unter einem Baum in dessen Äste die Wasserleitung mit einem Duschkopf gehängt war) genossen hatten, ging es los. Zunächst ging es auf einen nahegelegenen Hügel, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Von dort konnten wir auch schon einen Gral sehen und hatten einen wunderschönen Blick über das Tal und den Grünstreifen entlang des Flusses durch das Tal, welcher jedoch zur Zeit kein Wasser führte. Trotzdem scheinen die Bäume ausreichend Wasser zu finden, damit sie überleben können. Ein durchaus faszinierender Anblick. Herunter von dem Hügel ging es erst einmal zu den Himbas.

Vor allem die Kinder waren sehr erfreut uns zu sehen und noch mehr waren sie erfreut über die Gummibänder, die in Eves Rasterzöpfen waren. Es dauerte nicht lange, da war sie jede Menge dieser Gummibänder los. Ich gab den Frauen gleich zu Anfang ein Paket mit Maismehl. So konnte ich auch die älteren Bewohner glücklich machen. Nach kurzer Zeit kochte auch schon eine Art Brei auf der Feuerstelle. Unser "Guide", selbst Himba erklärte uns einiges und beantwortete all unsere Fragen. Nach ca. einer halben Stunde verabschiedeten wir uns wieder und machten uns auf die Suche nach den Elefanten. Nach kurzer Fahrt durch ein Trockenflussbett stand er dann vor uns und frühstückte in aller Seelenruhe einen Baum. Neben den Ästen und Zweigen holte er sich auch die Früchte, die dieser Baum trug, indem er immer wieder kräftig am Stamm rüttelte. Nachdem wir den Elefanten eine Zeit lang beobachtet hatten, fuhren wir im Flussbett weiter und kamen wieder in unser Camp und stellten fest, dass mehrere Elefanten vor kurzen hier durchmarschiert sein mussten. Da waren wir wohl doch ein wenig zu früh aufgestanden. Wir machten uns aber gleich auf die Suche nach der Herde und entdeckten sie kurze Zeit Später außerhalb des Camps.

Fortsetzung folgt...